Das war der Climathon 2018

Vom “Dach ins Netz” hieß es beim zweiten Climathon in Essen, einem von 112 Climathons weltweit. Der lokale Ausrichter des Klimaschutz Ideenmarathons war erneut der Impact Hub Ruhr, gemeinsam mit der Klimaschutz Organisation Climate-KiC und dem Interreg Projekt Climate Active Neighbourhoods der Stadt Essen, als örtlichem Partner. Beim diesjährigen Climathon widmeten sich die circa 30 Teilnehmer*innen der Aufgabe, wie mehr Photovoltaikanlagen ihren Weg auf die Dächer Essens finden können. Das aktuelle Thema und die Entscheidung, dieses Jahr die Veranstaltung komplett in Englisch zu halten, zog eine beachtliche Anzahl ausländischer Studierender an. So fand eine sehr heterogene Gruppe von Teilnehmer*innen den Weg in den Impact Hub Ruhr: von einem Professor der FH Dortmund, der mit einigen seiner Student*innen teilnahm, über einen pensionierten Ingenieur, der aus der Zeitung über den Climathon las, einer Klimaschutz engagierten Künstlerin aus Essen, bis zum Studenten aus Hamburg, der extra anreiste, weil ihn das Thema ansprach.

Nach einer Einführung in das Thema durch Stephan Plage von der Stadt Essen, einem Überblick und regionalen Kontext von Dr. Wolfgang Beckröge vom Regionalverband Ruhr und einem unterhaltsamen Einblick in das Schaffen des Teams aus dem Maker-Space Halle 1 der Westfälischen Hochschule ging es für die Teilnehmer*innen in die Brainstorming Phase. Dabei wurden sie von den vier anwesenden Coaches dazu animiert ihren Ideen freien Lauf zu lassen. Aus allen Teilnehmer*innen formierten sich anschließend vier Teams mit folgenden Ideen.

Die Teams des Climathons:

RA BAZAAR

Als Tinder für Solarpanele bezeichnete das Team hinter Ra Bazaar ihre Idee. Die Aufgabe der webbasierten Lösung ist es Hausbesitzer*innen mit Investor*innen und Dienstleistern für Photovoltaikanlagen zusammenzubringen. Dass es wahrscheinlich viele Hausbesitzer*innen gibt, die nicht die notwendigen finanziellen Ressourcen besitzen, um ihre Dächer mit Solartechnologie auszustatten, war der Ausgangspunkt. Im Gegenzug wird es Investor*innen geben, die ihr Geld in den Ausbau von Photovoltaikanlagen stecken würden, aber nicht genug Flächen besitzen, um ein solches Investment umzusetzen. Auf der geplanten Internetseite von Ra Bazaar können sich Besitzer*innen von geeigneten Dächern und Flächen anmelden und sich von Investor*innen finden lassen. Im Ausblick formulierte das Team die Einbindung weiterer Parteien und Dienstleistungen rund um Photovoltaikanlagen, so dass Ra Bazaar als Plattform und Informationsquelle rund um das Thema Photovoltaik oder Solartechnologien im Allgemeinen fungieren kann.

SOLAR INFLUENCER

Das Team von Solar Influencer begab sich erst einmal in die Essener Innenstadt und fragte Passant*innen, wie es um ihr Wissen in Sachen Photovoltaik steht und woher sie ihre Informationen beziehen. Der gemeinsame Nenner bei nahezu allen waren die Kinder, die sich besser in dem Thema auskennen und damit die Informationsquelle erster Instanz darstellt. Das Team griff das auf und plant Kinder schon früh mit Solartechnologien in Berührung zu bringen und sie zu “Influencern”, also Meinungsmachern, für das Thema zu machen. Solar Influencer ist eine Initiative, die im ersten Schritt alle Schulen Essens mit Photovoltaikanlagen ausstatten möchte. Die Visibilität der Solarpanele weckt die Neugier und das Interesse der Kinder. Im Unterricht wird den Schüler*innen dann durch Lehre und in Experimenten die Grundlagen der Technologie beigebracht. Auf diese Weise wird die Sensibilität für erneuerbare Energien geschärft und der Grundstein für einen generationsübergreifenden Wissenstransfer gelegt. Neben dem Kontakt in den Schulen will Solar Influencer Solarspielplätze bauen, auf denen Kinder spielerisch Solartechnologien erkunden und mit Sonnenlicht spielen können.

SOLAR BRAINIACS

Das Team um Solar Brainiacs setzt den notwendigen Wissenstransfer in der Do-It-Yourself-Kultur an und erfand ein Produkt, das als Bottom-Up-Lösung funktioniert. Solar Brainiacs ist ein Photovoltaik-Baukasten, bestehend aus einem Basismodul zum Bau eines Solarpanels. Der Basiskasten beinhaltet alles, um ein funktionstüchtiges Solarpanel zu bauen, das als Stromquelle taugt. Durch Themenbaukästen lässt sich das Basismodul erweitern und für verschiedene Anwendungsbereiche anpassen. Dabei könnte es Erweiterungen für den Bereich Garten oder Wohnraum geben, aber auch ein Erweiterungsmodul für Kinder, dass mobil einsetzbar und damit auch auf Spielplätzen zu benutzen wäre. Anleitungs- und Erklärvideos helfen den Käufer*innen die zugrundeliegende Technologie zu verstehen und anzuwenden. Die Käufer*innen sollen ebenfalls dazu animiert werden, eigene Videos zu produzieren, um ihre kreativen Umsetzungen und Anwendungen der DIY-Community vorzustellen und dadurch potentiell auch Ideen für neue Erweiterungskästen anzuregen. Das Basismodul, wie auch die Erweiterungen, wären im Handel und in Baumärkten zu erwerben.

SOLARPOTT

Mit SolarPott entwickelte das Team dahinter eine Dienstleistung, die eine Vielzahl von Interessengruppen in Sachen Photovoltaik unter einen Hut bringen will: Hausbesitzer*innen, Mieter*innen, Firmen und Menschen mit einem sozialen und ökologischen Gewissen. Wer auf der Internetseite von SolarPott landet, kann auswählen ob er ein*e Investor*in oder ein*e Kompensierer*in ist. Investor*innen können ihr Geld einsetzen und in den Bau von Photovoltaikanlagen anlegen mit Ausblick auf Dividenden. Kompensierer*innen investieren ebenfalls in den Bau von Photovoltaikanlagen, spenden ihr Geld allerdings, um sich ein grünes Gewissen zu kaufen. Das ist interessant für Vielflieger*innen, Vielfahrer*innen, im Grunde für alle Menschen, die privat oder geschäftlich Handlungen vollziehen, die mit einem hohen Ressourcenverbrauch und einer hohen Umweltbelastung einhergehen. Das können also sowohl Privatpersonen, aber auch größere Firmen sein. Letztere können auch gezielte Kooperationen mit SolarPott eingehen. Mieter*innen können aktiv werden und ihre Vermieter*innen mit SolarPott in Kontakt bringen, um sich eine subventionierte Photovoltaikanlage auf dem Dach installieren zu lassen. Hausbesitzer*innen investieren eine Gebühr, die sie zum Beispiel ab frühestens dem zweiten Jahr zu zahlen hätten, können aber dafür mit einem attraktiven Mietobjekt und geringeren Nebenkosten bei aktuellen und potentiellen Mieter*innen punkten. Teil der Planung ist die enge Zusammenarbeit mit lokalen Handwerksbetrieben, sowie mit der Stadt Essen, um die notwendige Manpower und eine schnelle Umsetzung zu gewährleisten.

Ideen-Präsentation vor der Jury

Nach einer fast 24-stündigen Arbeitsphase mit einer nur kurzen Schlafpause waren die Teams bereit ihre Ideen vor der Jury zu präsentieren. Diese bestand aus Julia Rawlins (Climate-KiC), Kai Lipsius (Stadt Essen – Grüne Hauptstadt), Dr. Christina Buckemüller (Regionalverband Ruhr), Markus Borowski (Der Solarbauer) und Gian-Franco Strauss (E.On Agile Accelerator), die einen wirklich schweren Job hatten. So sagte Julia Rawlins beispielsweise, „Essen war zum zweiten Mal beim weltweiten Climathon vertreten und zeigte wieder wieviel Kreativität, Engagement und Wissen bei den Bürger*innen herrscht. Starke Teams, spannende Ideen und intensive Zusammenarbeit – so schafft man eine klimafreundliche Zukunft.“

Am Ende kann es aber nur ein Gewinner-Team geben und das hieß beim Climathon 2018 in Essen SolarPott! Auch wenn alle Teams sehr gute Ideen präsentierten, so waren SolarPott nach Ansicht der Jury das Team, das in allen Aspekten einer möglichen Umsetzung am Weitesten war. Ihr Businessmodell war detailliert strukturiert und gut durchdacht. Ihre Wandtafeln und Notizen konnten SolarPott also stehen lassen, denn so wie im letzten Jahr gewinnt das Team eine Mitgliedschaft sowie Workshops und Beratungen im Impact Hub Ruhr und durch Climate-KiC, wodurch sie direkt an ihrer Idee weiterarbeiten können.

Kai Lipsius von der Stadt Essen zeigte sich begeistert und sagt, „um das enorme Potential der Solarenergie in unserer Stadt zu erschließen, brauchen wir innovative Ideen und intelligente neue Ansätze. Der 2. Essener Climathon hat wieder gezeigt, dass dieses Format geeignet ist junge, urbane Kreativität und Umsetzungsorientierung erfolgreich zu paaren. Es ist beeindruckend zu beobachten mit welchem Enthusiasmus und welcher Ernsthaftigkeit sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Aufgabe Lösungen zum Solarenergieausbau in Essen zu entwickeln gewidmet haben. Ich bin zuversichtlich, dass dank der Ergebnisse des Climathons bald mehr Sonnenenergie von Essener Dächern geerntet werden kann. Challenge accepted!“

Gruppenbild__credit Carsten Deckert

Autor*innen: Jerome Vazhayil & Janna Prager // Fotografen: Carsten Deckert & Fabian Tode

Zitate zum Climathon

Julia Rawlins von Climate-Kic: „Essen war zum zweiten Mal beim weltweiten Climathon vertreten und zeigte wieder wieviel Kreativität, Engagement und Wissen bei den Bürgern herrscht. Starke Teams, spannende Ideen und intensive Zusammenarbeit – so schafft man eine klimafreundliche Zukunft. Neben 112 weiteren Städten, ist Essen Teil der von Climate-KIC initiierten Bewegung für urbanen Klimaschutz.“

Markus Borowski, Der Solarbauer: „Glückwunsch an die Teams, für Ihre kreativen und vor allem auch umsetzbaren Ideen zum Thema Photovoltaik in Essen. Ich freue mich jetzt schon auf die ersten Ergebnisse. Und ein dickes Dankeschön an das Team von ImpactHUB für die gute Organisation. Die Veranstaltung hat auch mir, als Experte, wieder zusätzliche spannende Horizonte eröffnet.“

Dr. Christina Buckemülle, RVR: „Es ist toll zu sehen, wie fokussiert und professionell die Teilnehmer an Ihrer Idee gearbeitet haben, um eine Lösung für den Klimaschutz in Essen zu finden. Der Climathon ist ein tolles Beispiel wie neue und innovative Ideen und Konzepte zur Unterstützung der Energiewende aus der Mitte der Bevölkerung entwickelt werden.“

Kai Lipsius, Stadt Essen: „Um das enorme Potential der Solarenergie in unserer Stadt zu erschließen, brauchen wir innovative Ideen und intelligente neue Ansätze. Der 2. Essener Climathon hat wieder gezeigt, dass dieses Format geeignet ist junge, urbane Kreativität und Umsetzungsorientierung erfolgreich zu paaren. Es beeindruckend zu beobachten mit welchem Enthusiasmus und welcher Ernsthaftigkeit sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Aufgabe Lösungen zum Solarenergieausbau in Essen zu entwickeln gewidmet haben. Ich bin zuversichtlich, dass dank der Ergebnisse des Climathons bald mehr Sonnenenergie von Essener Dächern geerntet werden kann. Challenge accepted!“