2 Challenges, 4 Lösungen, 1 Siegerteam: Das war der Climathon Ruhr 2019

In nur 24 Stunden eine Lösung für eine regionale Klima-Herausforderung zu entwickeln – um nichts weniger geht es beim Klima-Hackathon „Climathon„, einer inzwischen weltweiten Bewegung für den Klimaschutz. In mehr als 130 Ländern tüftelten am 25. Oktober 2019, dem Global Climathon Day, engagierte Menschen an Lösungen für ganz konkrete Herausforderungen ihrer Region. Für das Ruhrgebiet organisierte bereits zum dritten Mal der Impact Hub Ruhr in Kooperation mit der Effizienz-Agentur NRW und Climate-KIC sowie den Partnern Stadt Essen, Stadt Bottrop und der NRW Bank den Climathon Ruhr. Dieser drehte sich in diesem Jahr um das Thema „Circular Economy„, also um die Frage, wie wir die Wirtschaft zirkulärer gestalten können.

Rund 30 Teilnehmer*innen hatten sich dazu am Freitagmittag im Idea Lab des Impact Hub Ruhr eingefunden. Ob Student*in, Unternehmer*in oder Angestellte, ob jung oder alt, ob aus dem Antrieb, etwas bewegen oder verändern zu wollen, etwas für den Klimaschutz zu tun oder einfach nur an einem Hackathon teilzunehmen – alle kamen zusammen, um gemeinsam an einer konkreten Lösung für eine konkrete Herausforderung zu arbeiten.

Wie motiviert man Bürger*innen und Unternehmen zur Circular Economy

Davon gab es gleich zwei, die von den Climathon Partnern vorgestellt wurden: Sowohl Elisabeth Haefs von der Stadt Essen als auch Julia Zwanzig von der Stadt Bottrop brachten Challenges mit, die die beiden Städte aktuell beschäftigen. Geht es der Stadt Essen vor allem darum, eine Lösung zu finden, ihre Bürger*innen dabei zu unterstützen, einen zirkulären Lifestyle zu entwickeln, treibt die Stadt Bottrop das Problem um, Unternehmen zum zirkulären Wirtschaften zu motivieren. Um für jede Challenge jeweils zwei Lösungen zu entwickeln, teilten sich die Teilnehmer*innen in vier Teams auf.

Damit alle ein Verständnis davon bekommen, worum es beim zirkulären Wirtschaften eigentlich geht und wie man auf kreative Weise an einen Lösungsweg herangehen kann, gab es vor der ersten Arbeitsphase kurzen, knackigen Input von zwei Experten.

Martin Stavenhagen von SD Consulting gab den Teilnehmer*innen zunächst einen Überblick darüber, was Circular Economy bedeutet. Schon mit den ersten Slides wurde klar, dass gerade für unser linear geprägtes Wirtschaften – wir kaufen etwas und wenn wir es nicht mehr brauchen, schmeißen wir es in den Müll – Circular Economy vor allem eine Mindset-Herausforderung ist. Es geht also darum, umzudenken, dass die Dinge, die wir nutzen, bzw. die Rohstoffe und Komponenten, aus denen sie bestehen, nicht im Müll landen, sondern weiter einen Wert in der Kreislaufwirtschaft behalten. Recycling ist dabei nur ein Aspekt. Weitere Aspekte der Circular Economy sind das Teilen, das Anders-Verwerten oder das Reparieren.

Um die Teilnehmer*innen zu inspirieren, das Alltagsleben neu zu denken und Lösungen zu entwickeln, demonstrierte im Anschluss Produktdesigner Christoph Tochtrop vom Wuppertal Institut, bzw. Folkwang Universität, das Ergebnis seiner Abschlussarbeit. Für die hat er verschiedene Geräte, die in unserem Alltagsleben zum Einsatz kommen, nach Gemeinsamkeiten untersuchte – vom Akkubohrer bis zum Mixer. Mit seinen Erkenntnissen entwickelte er den Prototypen für ein Gerät, das nicht nur viele Haushaltsgeräte in sich vereint, sondern zudem auch noch gut zu reparieren ist.

Vom Brainstorming zum Prototypen

Informiert und inspiriert zogen sich die vier Teams in die unterschiedlichen Bereiche der Impact Hub Räumlichkeiten zum ersten Brainstorming zurück. Jedes Team bekam dabei einen Coach zur Seite gestellt, die/der vor allem bei einer ganz besonderen Herausforderung unterstützen sollte: dem Prozess der gemeinsamen Ideen- und Lösungsentwicklung. „Als Teilnehmer*in lernt man unglaublich viel in solch einem Prozess: neben fachlichem Wissen vor allem, mit Menschen, die man kurz vorher noch gar nicht kannte, gemeinsam eine Lösung zu entwickeln und diese zum Schluss verständlich zu präsentieren“, sagt Coach Martin Stavenhagen. Er weiß, wovon er spricht: „Vor zwei Jahren noch war ich selbst Teilnehmer bei einem Climathon.“

Nach kaum einer Stunde Brainstorming sind die ersten Flipcharts vollgeschrieben. Für offene Fragen konnten sich die Teams im sogenannten „Wissenskiosk“ an Expert*innen wenden, die vor Ort zu allen Unklarheiten Rede und Antwort standen. „Uns war wichtig, das Problem zunächst genau zu verstehen“, erzählt David, der mit seinem Team an einer Lösung arbeitete, Essener Bürger*innen zu einem zirkulären Lebensstil zu animieren. So erfuhr das Team im Gespräch mit Vertreter*innen der Stadt, dass vielen Menschen unklar ist, wie sie beispielsweise ihren Einweg-Kaffeebecher richtig entsorgen. Das gab dem Team die Richtung, etwas zu entwickeln, das Bürger*innen dabei hilft, sich einen zirkulären Lebensstil anzueignen.

Während ein Teil der Teams nach dem Abendessen noch bis tief in die Nacht arbeiteten, waren andere schon vor der Nachtschicht so weit, dass sie sich am Morgen direkt an die Ausarbeitung ihrer Prototypen begeben konnten. Wer nicht im Impact Hub in Schläfsäcken und Zelten übernachtete, trudelte spätestens am Samstagmorgen wieder ein. Nach einer Yoga-Session und dem gemeinsamen Frühstück ging es in den Endspurt. Bis zum „End of Hack“ um 13 Uhr mussten Prototypen und Pitches fertig sein.

Dementsprechend betriebsam ging es am Vormittag in allen Ecken des Impact Hub zu. Während die einen still an ihren Laptops saßen und Mockups für ihre Präsentation erstellten, bastelten andere aus Papier und Pappe ihren Prototypen oder diskutierten sogar noch hitzig vor dem Flipchart. In welchem Stadium auch immer sich die einzelnen Teams noch vor einer Stunde befanden, um 13 Uhr sind alle bereit, ihre Lösung vor Jury, Teilnehmer*innen und interessiertem Publikum zu präsentieren. Die Pitches können beginnen!

Pitch-Time: Vier Lösungen für zwei Challenges

Den Anfang machen die beiden Teams, die sich der Essener Challenge angenommen haben, Bürger*innen zu einem zirkulären Lifestyle zu motivieren.

Team 1 – „Ungewollt zirkulär“ – machte sich zur Lösungsfindung auf in die Essener City und befragte Bürger*innen nach ihrer Bereitschaft zu einem circular lifestyle. Stießen sie zunächst eher auf Desinteresse, entdeckten sie beim weiteren Nachhaken, dass viele Menschen unbewusst bereits im Sinne zirkulären Wirtschaftens handeln, beispielsweise leere Marmeladengläser als Behälter umfunktionieren oder Papiertüten weiterverwenden. So entwickelte das Team die Idee einer Kampagne, die mit großen Plakaten in der Stadt Beispiele zeigt, wie Bürger*innen bereits „unbewusst zirkulär“ leben und sie so weiter dazu motivieren und inspirieren.

Das zweite Team, „Team Oskar“, präsentierte seinen Prototypen der smarten Mülltonne „Oskar“ auf der Bühne. Oskar steht vor allem an öffentlichen Orten, die oftmals besonders schmutzig sind, wie Parks zum Beispiel, und hilft den Menschen dort nicht nur dabei, ihren Müll richtig zu entsorgen bzw. zu recyceln, sondern gibt, dank kostenlosem W-Lan-Hotspot auch Tipps und Ratschläge, Dinge nicht gleich wegzuwerfen, sondern anders zu verwerten.

Team 3 entwickelte mit „Das Gute Ding“ eine Lösung zur Bottroper Challenge, Unternehmen zum zirkulären Wirtschaften zu motivieren. Diese besteht in erster Linie aus einem Beratungsprogramm für Unternehmen: Ein Netzwerk unterschiedlicher Experten hilft Firmen dabei, ihr Geschäftsmodell so umzudenken und umzugestalten, dass es nicht nur für das Klima nachhaltig positiv wirkt, sondern vor allem auch wirtschaftlich für das Unternehmen selbst. Integraler Bestandteil ist eine Storytelling-Kampagne, die auch andere Unternehmen dazu motivieren soll, den Schritt zu gehen.

Team „Dieter“, als letztes Team der Pitch-Runde, geht die Bottroper Challenge von der Bildungsperspektive an. Danach sollen „Zirkuläres Wirtschaften“ verpflichtender Bestandteil jeder Berufsausbildung werden. Azubis bekommen so nicht nur theoretisches Know-how, sondern entwickeln in einem Praxisprojekt auch ein Konzept für ihren Ausbildungsbetrieb, zirkulärer zu wirtschaften. Dies soll junge, engagierte Menschen motivieren, eine Ausbildung in einem Bottroper Betrieb zu übernehmen und nicht in andere Städte abzuwandern, gleichzeitig werden Unternehmen für das Thema „Circular Economy“ sensibilisiert.

And the winner is…

Nun lag es an der Jury, einen Gewinner zu küren. Nicht nur die Idee selbst spielte bei der Bewertung eine Rolle, auch das Team dahinter und ein mögliches Geschäftsmodell waren wichtige Bewertungskriterien. Schließlich ist der Hauptgewinn für das Siegerteam, mit der professionellen Unterstützung des Impact Hub Ruhr Teams samt Arbeitsplätzen im Coworking Space an der Idee weiterzuarbeiten.

Gegen 16 Uhr war es dann so weit. Die Jury, bestehend aus Vertreter*innen der Climathon Partner Stadt Bottrop und Essen, der NRW.BANK, Climate-KIC, der Effizienz-Agentur NRW und einem Team-Mitglied der Climathon-Gewinner 2018 verkündet das Siegerteam:

The winner of Climathon Ruhr 2019 is „Team Oskar“!

Was die Jury neben der Idee der smarten Tonne besonders überzeugte, war die Zusammenarbeit und die Vielfältigkeit des Teams. „Dass wir alle so unterschiedlich sind, nicht nur vom fachlichen Aspekt her, sondern auch, dass wir alle Altersstufen abdecken, hat uns sehr dabei geholfen, eine Lösung zu entwickeln. Jeder hat sein Erfahrungswissen und seine persönliche Perspektive eingebracht“, sagt Team-Mitglied Johanna. „Mich hat besonders beeindruckt, dass wir in der kurzen Zeit eine Lösung für ein echtes Problem entwickelt haben“, sagt Team-Sprecherin Tamara. Für sie steht jetzt schon fest: „Ich möchte auf jeden Fall weiter an dem Projekt arbeiten!“

 

Das Impact Hub Ruhr Team bedankt sich ganz herzlich bei allen Teilnehmer*innen, Expert*innen, Coaches und den Partnern für diesen großartigen Climathon! Wir freuen uns jetzt schon auf nächstes Jahr!

 

Text: Carmen Radeck

Fotos: Carsten Deckert