Im Rahmen der Roadshow „CREATIVE.Spaces exploring Good Work“ hat das Team von CREATIVE.NRW ein Interview mit Ulrike geführt, dass wir euch auch hier nicht vorenthalten wollen. Vielen Dank für eure Unterstützung und eine tolle Roadshow, die am 27. Oktober Halt bei uns im Impact Hub Ruhr gemacht hat. Es war ein schöner Nachmittag und ein super Austausch mit anderen CREATIVE.Spaces aus NRW! Hier gibt es mehr Infos dazu!

Hier folgt jetzt der Artikel von CREATIVE.NRW:

Anfang 2016 haben sich Benedikt Brester, Janna Prager und Ulrike Trenz zusammengetan und die Planung des ersten Impact Hubs in NRW gestartet. Voller Energie für die Gute Sache und mit dem Ziel, nachhaltiges Unternehmertum und Social Entrepreneurship im Ruhrgebiet voranzutreiben, gingen sie das Abenteuer der Impact-Hub-Ruhr-Gründung an und sind bis heute mit vollem Engagement dabei.

Ulrike Trenz ist Geschäftsführerin des Impact Hub Ruhr, einem unserer CREATIVE.Spaces 2020. Für die Bereiche nachhaltiges Wirtschaften, Social Entrepreneurship und Klimaschutz entwickelt und leitet sie Projekte, Hackathons, Event- und  Workshopreihen und verantwortet die damit zusammenhängenden Kooperationen und Partnerschaften. Innerhalb ihrer Arbeit setzt Ulrike einen Fokus auf den Themenbereich Circular Economy als Treiber für die ganzheitlich nachhaltige Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Dort gestaltet sie strategische Themen-Communities und Innovations-Ökosysteme in Forschungsprojekten.

Ausgehend von einer kaufmännischen Ausbildung und der Arbeit in einem mittelständischen Betrieb setzen Sie sich heute vor allem für die nachhaltige Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft ein. Gab es für Sie einen Schlüsselmoment in Ihrem Werdegang, an dem Ihr Interesse an Nachhaltigkeit und Ihr soziales Engagement ihren Anfang nahmen?    

Es gab da ein paar Momente in meinem Leben, wo ich Dinge hinterfragt habe und mich dann von meinem Bauchgefühl habe treiben lassen. Mein Studium der Kulturarbeit an der FH Potsdam brachte mich dazu, Gesellschaft und Wirtschaft einmal anders zu betrachten. Zudem folgten dann Studien-Projekte zum Thema Klimawandel und mit der Green Music Initiative. Die Schnittstelle Kultur und gesellschaftlicher Wandel hat sich seitdem zu meinem Leitthema entwickelt. Mit dem Thema Social Entrepreneurship (oder Social Startups oder Unternehmen mit positiver Wirkung) schlossen sich dann einige lose Enden zu einem logischen Gesamtbild zusammen: Kultur, gesellschaftlicher Wandel und Wirtschaft gehörten seitdem für mich als starke Themen unabdingbar zusammen. Als ich die ersten Social Startups kennenlernte, war ich gleich Feuer und Flamme. Ich habe mich gefragt, warum wir nicht einfach die ganze Wirtschaft dahin umkrempeln: Unternehmen, die Positives für die Gesellschaft bewirken!

Viele Begriffe aus der Startup- und Kreativszene sind für Menschen, die damit nicht so vertraut sind, oft schwer zu verstehen.  Was genau versteht man denn eigentlich genau unter einem „Impact Hub“? 

Ganz kurz: Impact Hub ist Community, kreativer Ort und vernetzte Zusammenarbeit. Der Impact Hub ist ein inspirierender Treffpunkt, an dem Macher:innen und Interessierte zusammenkommen, die in den Themenbereichen Innovation, Nachhaltigkeit und Unternehmensgründung Gleichgesinnte treffen möchten, um ihre Idee, ihr Projekt, ihr Startup umzusetzen. Unser Team stellt dafür eine Infrastruktur an kreativen Räumen, Know-how und ein regionales und weltweites Netzwerk zur Verfügung. Die Menschen vor Ort tauschen sich aus, inspirieren sich gegenseitig und, ganz wichtig, sie bilden eine wertvolle Community, auf die man sich verlassen kann.

Kleiner Exkurs: Das Wort „Hub“ ist Englisch und bedeutet Knotenpunkt. „Impact“ bedeutet Wirkung. Wenn wir im Impact Hub von Wirkung sprechen, meinen wir vor allem Wirkung im Zusammenhang mit nachhaltig-ökologischer oder nachhaltig-sozialer Innovation bzw. Entwicklung (hier orientieren wir uns an den 17 Nachhaltigkeitszielen der United Nations). Wir verorten uns zum Beispiel ganz klar in Ziel 17 der Nachhaltigkeitsziele „Partnerschaften bilden, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen“. Wir möchten im Impact Hub Gleichgesinnten einen lebendigen Ort bieten (Coworking- und Arbeitsflächen, Workshop- und Eventräume), damit diese sich zu Nachhaltigkeitsthemen treffen, vernetzen und vor allem etwas umsetzen können. Egal ob soziale Innovation oder Sozialunternehmen, der Gemeinwohlgedanke – der Impact auf die Gesellschaft – sollte dabei immer im Vordergrund stehen.

Aber was genau machen wir da? Zum Beispiel führen wir einen Ideenmarathon zum Thema Klimaschutz und Müllvermeidung in der Stadt (Ziel 13 der Nachhaltigkeitsziele) durch, aus diesem Event entstehen Teams mit konkreten Ideen, die wir im Nachgang zu ihrer Idee beraten und coachen, wir vernetzen sie, damit ihre Idee auch „auf die Straße“ kommt. Das kann eine Geschäftsidee sein, wie eine App oder ein Beratungsprogramm oder einer smarter Mülleimer, oder eine soziale Innovation, wie ein Spiel für Schüler:innen, welches auf dem Schulweg angewendet werden kann. Wenn aus einem von uns gestalteten Event so etwas entspringt und gedeiht, sprechen wir von Impact.

Viele Menschen sind überzeugt, dass es für alle möglichen Problemstellungen irgendwann eine technische Lösung gibt. Warum aber sind gerade soziale Innovationen so bedeutsam für die gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit?  

Wenn eine technische Innovation keine gesellschaftliche Akzeptanz erfährt, kann es bei der Implementierung schwer werden. Vor allem, wenn ich an den Klimawandel denke, müssen wir als Menschheit viele soziale Praktiken ersetzen, aufgeben oder ändern, damit wir unseren Planeten in Zukunft unseren Kindern und Enkelkindern erhalten. Gerade in diesem Bereich gibt es viele tolle technische Lösungen, wenden wir diese allerdings nicht in Wirtschaft, im Alltag an oder veranlassen die politischen Rahmenbedingungen und Anreize dazu nicht, so bringen uns diese tollen technischen Innovationen rein gar nichts. Es bedarf ein Zusammenspiel dieser beiden Bereiche. Zudem sind wir Menschen aus Fleisch und Blut, wir sind soziale Wesen, wir funktionieren nicht rein technisch und linear, ganz im Gegenteil.

Sie beschäftigen sich vor allem mit dem Thema „Circular Economy“, also der sogenannten zirkulären Wertschöpfung, in der es zum Beispiel um regenerative Systeme, den Einsatz von Ressourcen, Fragen der Abfallproduktion und von Energieverschwendung geht.  Welche Rolle spielt dieses Thema bereits im Bereich der Gründungen, der Kreativwirtschaft und für Startups? Denkt und handelt „die Wirtschaft“ bereits in Kreisläufen, oder stehen wir da noch sehr am Anfang?

Es gibt in Deutschland, Europa und weltweit tolle Ansätze und Projekte. Das ist aber nicht genug. NRW holt hier gerade stark auf, aber es liegt noch sehr viel Arbeit vor uns. Wie wäre es mit einem Circular NRW in 2030? Wir sind dabei! Unsere Impact Hub-Kolleg:innen in der Schweiz, in den Niederlanden und auch in Berlin sind da schon ein paar Schritte weiter. Impact Hub Ruhr ist sehr ambitioniert, dieses Thema mit allen bereits vorhandenen Partner:innen der Region hier umzusetzen. Wir haben große Lust, ein florierendes und kollaboratives Ökosystem für Circular Economy hier in NRW mitzugestalten und unsere Community-Arbeit auch weiterhin diesem Schwerpunkt zu widmen. Ich ganz persönlich finde es spannend, mit Startups zirkuläre Geschäftsmodelle zu bauen. Die Zusammenarbeit mit der Kreativszene, wie Designer:innen und weiteren Gestalter:innen, ist daher immens wichtig. Auch hier gäbe es tolle Ansätze und Ideen, um spannende Projekte als Impact Hub mit der Community in der Region umzusetzen.

Weitere Schwerpunkte des Impact Hub Ruhr sind neben Nachhaltigkeit Themen wie Gender Equality, Future of Work und sozialer Zusammenhalt. Trügt die Annahme oder sind alle diese Bereiche ohnehin sehr eng miteinander verzahnt und lassen sich im Endeffekt auch nur interdisziplinär bearbeiten, um zu tragfähigen Lösungen zu kommen?  

Das kann ich unterstreichen. Es sind alles gesellschaftlich sehr relevante Themen, und diese müssen wir als Gesellschaft beheben. Von daher stimme ich zu, dass wir inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit benötigen, um echten Wandel herbeizuführen. Genau dafür ist ein Impact Hub auch gedacht: Ein Knotenpunkt, der einlädt, ab fern von gewohnten Strukturen, lösungsorientiert und egal von welchem Background, zusammenzuarbeiten.

Wie kaum ein anderes Bundesland muss Nordrhein-Westfalen einen gewaltigen Strukturwandel quer durch alle Branchen und schließlich im Hinblick auf die Digitalisierung und den Klimawandel bewältigen. Wie ist Ihr Blick speziell auf NRW und die verschiedenen Regionen, die Netzwerke und Akteur:innen? Was stimmt Sie optimistisch, wo dagegen herrscht noch großer Handlungsbedarf?  

Nach Berlin, London und Zürich bin ich freiwillig nach NRW gegangen, weil ich die Herausforderung zwischen fortwährendem Strukturwandel und dem damit einhergehenden Gestaltungsspielraum super spannend und motivierend finde. Hier in NRW kann man einfach machen, sich vernetzen und umsetzen. Das ist cool! Wo man sich als „neuer Akteur“ oft die Zähne ausbeißt, das sind Strukturen, die gefühlt seit 1.000 Jahren bestehen, die sehr sich oft alt und schwer und langsam anfühlen und gegen die man einfach nicht ankommt. Manche Dinge scheinen wie festgefahren, und es ist nicht einfach, sich zu behaupten. Gerade im Ruhrgebiet ist es schön wie schwer mit der Vielfalt: Es gibt über 50 Kommunen, und diese fahren oft eine eigene Agenda. Manchmal wünschten wir uns da etwas mehr Fokus. Da haben es Kolleg:innen aus städtezentrierten Impact Hubs aus unserem Netzwerk manchmal einfacher: Während wir mit acht Städten sprechen, haben unsere Kolleg:innen nur eine Ansprechperson. Unser Team betrachtet dieses allerdings lieber als Chance, auch wenn sich dies nicht immer so anfühlt.

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